Was ist Phenylketonurie?

Phenylketonurie (PKU) ist der häufigste angeborene Fehler beim Aminosäurestoffwechsel. Diese Krankheit beruht auf dem gänzlichen Verlust oder einer wesentlichen Beschränkung der Enzymaktivität Phenylalaninhydroxylase (PAH). Dieses Enzym ist für den Wandel der Aminsäure Phenylalanin in Tyrosin verantwortlich.  Die Reaktion findet in den Leberzellen, also Hepatozyten (Abb.) statt. Phenylalanin kommt aus Lebensmitteleiweiß, das mit der täglichen Diät konsumiert wird, und stellt 3-7% dessen Masse dar.  Phenylalanin ist in besonders großen Mengen in eiweißreichen Produkten, wie Fleisch, Fisch, Eier, Milch und Milcherzeugnisse, Getreideprodukte, Nüsse, Kakao und Schokolade, Soja, Erbsen und Bohnen enthalten. Die Behandlung beruht auf der Diät mit Beschränkung des Phenylalaninangebots, also der sog. phenylalaninarmen Diät.  Störungen im Phenylalaninstoffwechsel verursachen Wachstum dessen Konzentration im Blut, mit dem Phenylalanin in das Zentralnervensystem (ZNS) gelangt, wo es umkehrbare Beschädigungen hervorruft.

Dies verursacht unterschiedliche Formen der intellektuellen Behinderung und neurologische Störungen, die die Hauptsymptome der nicht behandelten oder nicht ausreichend behandelten PKU darstellen. Kinder, bei denen die Krankheit in den ersten Lebenstagen entdeckt wird und die frühzeitig, systematisch und langfristig (optimal bis zum Lebensende) behandelt werden, entwickeln sich richtig und nutzen ihr intellektuelles Potential voll aus. Patienten erreichen erfolgreich weitere Bildungsstufen, absolvieren Berufsschulen, Lyzeen und Hochschulen, realisieren sich im erwachsenen Alter in vielen Berufen, gründen glückliche Familien. 

 

In Polen tritt PKU mit einer Häufigkeit von 1 x 7000-8000 lebenden Geburten auf, das bedeutet, dass in unserem Lande jährlich 60-70 kranke Kinder geboren werden.   Das ist eine Krankheit mit genetischem Hintergrund, die dem Kinde von beiden Elterneteilen übergeben wird.  Die Vererbung erfolgt auf eine autosomal recessive Weise. Das bedeutet, dass das kranke Kind je 1 unregelmäßiges Gen, das PKU hervorruft, von jedem Elternteil bekommen muss.  Zur vollen Erscheinung der Krankheit werden zwei "kranke" Gene benötigt. Die Eltern sind meistens symptomlose Überträger des fehlerhaften Gens und sich dessen gewöhnlich nicht bewusst sind, dass sie dieses Gen ihren Nachkommen übergeben können. Sie sind gesund, weil das andere bei ihnen anwesende Gen "gesund" ist. Unter der polnischen Bevölkerung ist jede 46. Person Überträger des fehlerhaften PKU-Gens. In einer Familie, wo die Mutter und der Vater solche symptomlose Überträger sind, besteht ein Risiko von 25%, dass jedes Kind krank geboren wird.  Die Geburt eines kranken Kindes bedeutet nicht, dass die nächsten Kinder mit Sicherheit gesund werden - das Risiko der Geburt des nächsten kranken Kindes ist stets und beträgt bei jeder Schwangerschaft 25%. Deswegen gibt es Familien, bei denen zwei oder sogar drei Geschwister an PKU leiden. Falls ein Elternteil an PKU krank und der andere ein symptomloser Überträger ist, beträgt das Risiko der Geburt eines kranken Kindes bei jeder Schwangerschaft 50%.  Die Nachkommen von zwei an PKU kranken Personen werden zu 100% krank sein.

 

Seit langem ist bekannt, dass die Voraussetzung der wirksamen PKU-Behandlung  in der möglichst frühen Entdeckung der Krankheit und der frühen Einführung einer diätetischen Behandlung besteht. Die PKU-Diagnostik stützt sich auf dem sog. Screening von Neugeborenen, das kranke Kinder schon in den ersten Lebenstagen identifizieren lässt.  Screening erfolgt durch die Entnahme einiger Tropfen Blut von der Ferse eines jeden Neugeborenen nach der Vollendung der 72. Lebensstunde und die Bestimmung der Phenylalaninkonzentration.  Derzeit werden in Polen Untersuchungen mit dem Farbmetrikverfahren ausgeführt. Die Voraussetzung der richtigen Testdurchführung besteht im früheren Stillen des Kindes mit der Muttermilch oder der modifizierten Milch.  Manchmal ist eine Wiederholung des Testes bei Frühgeborenen oder kranken Neugeborenen notwendig, insbesondere wenn sie parenteral ernähert wurden. Bei gesunden Kindern liegt die Phenylalaninkonzentration normalerweise bei weniger als 2 mg %, bei kranken Neugeborenen ist sie viel höher und überschreitet oft 20 mg%. Die Untersuchung erfolgt nach der Blutentnahme von der Ferse des Neugeborenen im Rahmen von Screeninguntersuchungen. Eine erhöhte Phenylalaninkonzentrationen verlangt eine vertiefte Diagnostik und viele Untersuchungen, deswegen bekommen die Eltern schon nach einigen Tages des Aufenthalts des Kindes zu Hause eine Ladung, mit dem Neugeborenen ins Krankenhaus zu kommen. Die Zielsetzung dieser Untersuchung ist die Bestimmung des PKU-Typs, inklusive Ausschließung der sog. untypischen Krankheitsgestalten aufgrund der fehlenden Aktivität des PAH-Kofaktors, also des Tetrahydrobiopterins. Diese seltene (von 1 bis 3%) Variante des unrichtigen Phenylalaninmetabolismus ist eine schwere ganzkörperliche Krankheit mit vielen neurologischen Folgen und bedarf anderer Behandlungsformen als die PAH-Defizite.  Bei den meisten Kinder wird jedoch eine der drei typischen Defektformen hinsichtlich der PAH-Aktivität erkannt, also:  • sanfte Hyperphenylalaninämie (Phenylalaninkonzentration im Blut bis zu 10 mg%), die keiner Behandlung bedarf (soviel dies keine Frau ist, die Kinder plant oder bereits schwanger ist),  • sanfte PKU (Phenylalaninkonzentration im Blut zwischen 10 und 20 mg%)  • klassische Krankheitsform (Phenylalaninkonzentration im Blut bis zu über 20 mg%).  Unter den polnischen Kindern tritt meistens die klassische PKU-Form in Verbindung mit dem gänzlichen oder fast gänzlichen Enzymaktivitätsmangel. Sowohl die sanfte, als auch die klassische Form verlangen die schnellstmögliche (optimal vor der Vollendung der 2. Lebenswoche) Einführung der diätetischen Behandlung, die derzeit die standardmäßige Vorgehensweise bei PKU ist.  Es gibt Situationen, bei denen die ersten Testergebnisse nicht richtig sind, bei weiteren Tests aber die Phenylalaninkonzentration normalisiert wird - wir reden dann über die sog. vorübergehende Hyperphenylalaninämie, die meistens die Folge einer vorübergehenden kleineren enzymatischen Lebersuffizienz ist.  Solche Kinder bedürfen keiner diätetischen Behandlung.  Man soll in Erinnerung haben, dass ein an PKU krankes Kind nicht mit beschädigtem Zentralnervensystem zur Welt kommt.  Bei der Schwangerschaft versichert die Leber der gesunden Mutter (obwohl sie PKU-Überträgerin ist) den richtigen Phenylalaninmetabolismus bei der Leibesfrucht. In den ersten Lebenstagen des kranken Kindes erhöhte sich die Konzentration dieser Aminsäure zusammen mit der Einnahme der phenylalaninreichen Muttermilch oder modifizierten Milch insoweit, dass die Krankheit aufgrund von Screenigtests schnell entdeckt werden kann.  Die Zeit der Diagnose ist zum Glück so kurz, dass es zu keinen Gehirnbeschädigungen kommt und sich die früh behandelten Kinder in der Zukunft richtig entwickeln.  Die Vorstellung im Krankenhaus und der Beginn der Therapie dürfen aber nicht verzögert werden.  Der Erfolg der PKU-Therapie hängt nämlich untrennbar mit dem Alter zusammen, in dem die Diät zur Phenylalaninbeschänkung eingeführt wurde.  Je früher es erfolgt, desto besser ist es für die zukünftige Entwicklung des Kindes.

 

QUELLE: http://www.shs.com.pl/choroby.php?source_id=1213&sys_id=126